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Probenvorbereitung / Extraktion
Bei der Vorbereitung resp. Extraktion wird die klinische Probe unter möglichst optimalen Bedingungen zu einem nukleinsäurehaltigen Extrakt verarbeitet, der anschliessend problemlos zum Beispiel mit der PCR weiterverarbeitet werden kann. Dabei unterscheiden sich die Extraktionsprotokolle vor allem nach Art der klinischen Probe und Art der Zielsequenz. Bei PCR Tests zum Nachweis von Krankheitserregern beispielsweise sollte die Erreger-Nukleinsäure möglichst schonend und ohne Verlust aus der klinischen Probe extrahiert werden. Bei Tests zum Nachweis von Veränderungen in der humanen DNA sollten physikalische Einwirkungen wie Scherkräfte oder längeres Erhitzen vermieden werden. Im weiteren ist RNA als Zielmolekül der PCR sehr viel problematischer aufzuarbeiten als DNA, da RNA weniger stabil ist und auch sehr leicht durch RNAsen abgebaut wird.
Zur Extraktion der Nukleinsäuren stehen sehr unterschiedliche Methoden zur Verfügung. Meist werden physikalische Methoden wie Hitze und Ultraschall eingesetzt. Als chemische Hilfsmittel dienen Detergenzien wie Triton, Tween oder SDS und / oder andere chemische Substanzen, aber auch Enzyme wie Proteinase K oder Lysozym. Physikalische und chemische Methoden werden oft kombiniert. Dabei werden Humangewebe und -zellen, aber auch Erregerzellen lysiert und die Nukleinsäuren werden freigesetzt. Für gewisse Tests kann dieses grobe Lysat bereits direkt für die PCR eingesetzt werden. Bei anderen Testsystemen schliesst ein Reinigungsschritt an, um Inhibitoren der PCR zu entfernen oder die Nukleinsäure gegen Abbau zu schützen. Ein typisches Beispiel einer Reinigungsmethode ist der Einsatz von Guanidinisothiocyanat mit anschliessendem Verwenden einer Silicasäule. Jedes Reinigungsverfahren verursacht indessen aber auch einen gewissen Verlust an Nukleinsäuren.
Die Probenextrakte können je nach Reinheitsgrad bei -20°C einige Wochen bis zu einigen Jahren gelagert werden.
Zur Probenvorbereitung und Extraktion von klinischen Proben werden sehr unterschiedliche Protokolle verwendet, die kaum automatisiert werden können. Ausserdem muss eine Kontamination der Proben möglichst vermieden werden. Es ist deshalb unerlässliche Bedingung, dass diese Arbeiten nur mit entsprechend geschultem Laborpersonal durchgeführt werden.
Die Polymerasekettenreaktion (PCR)
Die Polymerase Kettenreaktion (PCR für „polymerase chain reaction“) führt enzymatisch und in vitro zu einer exponentiellen Amplifikation (Vermehrung) eines definierten DNA-Fragmentes (siehe Grafik).
Als Startmaterial benötigt man geringste Mengen an DNA (menschliche, bakterielle, virale u.s.w.). Zur Start DNA (Template DNA) werden zwei kurze synthetische Oligonukleotide (Primers), zusammen mit einer hitzestabilen DNA-Polymerase und den Bausteinen der DNA (Nukleotide) zugegeben. Die Sequenz der Oligonukleotide ist so gewählt, dass sich ihre jeweiligen komplementären Sequenzen in der Ziel DNA auf den gegenüberliegenden Strängen der Doppelhelix in einer Entfernung von einigen hundert bis wenigen tausend Basenpaaren befinden. Demzufolge muss also die Nukleotidsequenz des zu amplifizierenden Fragmentes bzw. seiner unmittelbaren Nachbarschaft bekannt sein.
Die eigentliche PCR ist ein sich wiederholender Dreischrittprozess (Grafik)mit 3 verschiedenen Temperaturen. Im ersten Schritt (Denaturierung) wird die DNA durch Hitze (ca. 95C) denaturiert, d. h. in ihre einzelsträngige Form überführt. Im zweiten Schritt (Annealing) lässt man die im Ueberschuss vorliegenden Oligonukleotide durch Temperatursenkung an ihre komplementären Sequenzen der DNA hybridisieren (ca. 50-65C).Im dritten Schritt (Extension=Verlängerung) der Reaktion erkennt die DNA-Polymerase diese kurzen doppelsträngigen Elemente als Startsignale (Primers) und beginnt, die benachbarte einzelsträngige DNA komplementär zum Doppelstrang in der 5’ --> 3’ Richtung zu ergänzen (72C). Am Ende des dritten Schrittes, und damit des ersten Zyklus der PCR, ist die DNA dieser Region also verdoppelt worden. Durch Wiederholung dieser Zyklen lässt sich somit eine exponentielle Amplifikation der DNA zwischen den beiden Oligonukleotiden erreichen. Nach etwa 30 Zyklen erhält man demnach aus einem einzigen Ausgangsmolekül bis zu einer Milliarde Kopien.
Reverse Transkription-PCR (RT-PCR)
Die Genome einiger klinisch relevanter Viren (z. B. Hepatitis C Virus, Enteroviren) bestehen anstelle von DNA aus RNA. Die DNA-Polymerase kann RNA als Startmaterial nicht verwenden. Mit Hilfe des Enzyms Reverse Transkriptase wird die RNA in DNA umgeschrieben die dann für die PCR verwendet werden kann (Grafik).
Detektion
Agarose Gelelektrophorese Ethhidiumbromid Färbung
Elektrophorese ist definiert als die Bewegung geladener Teilchen in einem elektrischen Feld. DNA oder PCR Amplifikate tragen eine negative elektrische Ladung. DNA-Moleküle, die man in ein elektrisches Feld bringt, wandern zum positiven Pol. Die Auftrennung der Amplifikate erfolgt mittels Gelelektrophorese auf einem Agarosegel. Das Agarosegel besteht aus einem komplexen Netzwerk von Poren, durch welche die DNA-Moleküle nach der Grösse aufgetrennt werden. Um die PCR-Fragmente nach erfolgter Agarosegelelektrophorese darstellen zu können, werden die Agarosegele in einer wässrigen Ethidiumbromidlösung inkubiert. Der Fluoreszenzfarbstoff Ethidiumbromid bindet sich an die DNA-Doppelhelix, so dass die DNA in einem mit UV-Licht bestrahlten Gel weiss aufleuchtet.
Hybridisierung mit spezifischen Gensonden
Mit dieser Analyse kann einerseits das Amplifikat mit einer spezifischen Sonde nachgewiesen resp. bestätigt werden (z.B. bei E. coli das VT1 Toxin), anderseits können Amplifikate dadurch weiter charakterisiert werden (z.B. Unterscheidung Bartonella henselae / Bartonella quintana). Die amplifizierte DNA, mit Digoxigenin markiert, wird denaturiert (einzelsträngig) und mit komplementären einzelsträngigen Gensonden hybridisiert. Als Gensonden dienen chemisch synthetisierte Oligonukleotide die mit Biotin markiert sind. Die stabilen Hybride werden durch Biotin-Avidin Kopplung an die Mikrotiterplatte gebunden und mittels EIA durch eine Farbreaktionen sichtbar gemacht.
Restriktionsanalyse
Amplification Refractory Mutation System (ARMS)
Sequenzanalyse
Die DNA-Sequenzierung ist eine der wichtigsten Methoden der Molekularbiologie. Sie erlaubt die genaue Bestimmung der Nukleotidreihenfolge eines DNA-Stückes. Heute ist das Sequenzieren von DNA mit dem Kettenabbruchverfahren von Sanger weitgehend automatisiert und zur Routine geworden .
Im ersten Arbeitsschritt -dem sogenannten Cycle Sequencing- führt eine modifizierte PCR zur Bildung der Sequenzierfragmente (Grafik). Dabei hybridisiert ein komplementäres Oligonukleotid (Sequenzierprimer) an das einzelsträngige DNA-Amplifikat und dient als Primer für die hitzestabile DNA-Polymerase. Im Reaktionsgemisch enthalten sind zusätzlich zur Polymerase die 4 Desoxynukleodide (dNTP) aber auch entsprechende, mit Fluoreszenzfarbstoffen markierte Didesoxynukleotide (ddNTP), die, falls sie bei der Strangsynthese eingebaut werden, zum Kettenabbruch führen. Je mehr Zyklen durchgeführt werden, umso mehr markierte Sequenzierstücke von ganz unterschiedlicher Länge werden synthetisiert.
Bei der anschliessenden Kapillarelektrophorese werden die DNA-Stücke nach Grösse aufgetrennt und automatisch detektiert.
Die DNA-Sequenzierung wird in der molekularen Diagnostik zum Nachweis von bestimmten Mutationen der humanen DNA nach PCR-Amplifikation, aber auch zur Identifizierung von Krankheitserregern, Antibiotikaresistenzen und Toxinen eingesetzt indem die erhaltene Nukleotidsequenz des PCR-Fragmentes mit bekannten Referenzsequenzen in der Datenbank verglichen wird (Bsp. Bakterielle Breitband-PCR, Mycobacterium spp.).
Real Time PCR
Unter Real Time PCR Anwendungen verstehen wir Geräte resp. Analysesysteme, die die Detektion des Amplifikates während seiner Synthese erlauben. Die Amplifikate werden nach jedem abgeschlossenen Temperatur-Zeit Zyklus automatisch meist mit Hilfe von Fluoreszenzfarbstoffen gemessen. Einerseits kann ähnlich der Ethidiumbromidfärbung beim Agarosegel die synthetisierte DNA mit interkalierenden Farbstoffen (Z.B. SybrGreen) gemessen werden. Anderseits ist der Einsatz von markierten Sonden üblich, der analog der Hybridisierung zu einem spezifischen Nachweis der gebildeten DNA führt. Bei Real Time PCR Systemen fallen somit normalerweise die Detektionsarbeiten nach der PCR weg. Ein weiterer Vorteil liegt im Zeitaufwand pro Analyse. Bei Systemen mit Glaskapillaren kann eine Analyse bereits nach einer Stunde beendet sein (LightCyclerTM).
Die bekanntesten und am meisten angewendeten Real Time Systeme sind TaqManTM von Applied Biosystem und LightCyclerTM von Roche.
Vermeiden von Kontamination
Die Arbeiten in einem molekular-diagnostischen Labor sind durch verschiedenartige Kontaminationen gefährdet, wobei folgende Kontaminationsarten unterschieden werden:
- Kontamination bei der Probenentnahme. Die Probe wurde durch Fremdkeime oder Fremd-DNA verunreinigt.
- Kontamination von Personen, Oberflächen, Geräten durch potentiell infektiöses Material.
- Kontamination von Probe zu Probe. Führt möglicherweise zu falsch positivem Ergebnis.
- Carry-over Kontamiation. Positive Proben oder Positivkontrollen, die milliardenfach amplifizierte DNA-Fragmente enthalten, verunreinigen andere negative Proben. Führt möglicherweise zu falsch-positivem Resultat.
- Reagenzienkontamination. Reagenzien enthalten kontaminierende DNA, die zu falsch positiven Resultaten führen.
Massnahmen zur Vermeidung von Kontaminationen
Um Carry-over Kontaminationen zu vermeiden sind die Labroräumlichkeiten in 3 verschiedene Zonen eingerichtet:
- Reinraum (Herstellung von Reagenzien).
- Extraktionsraum (DNA / RNA Extrakten)
- Amplifikations- und Detektionsraum (PCR und Detektion der PCR-Produkten).
Eine gute Labortechnik ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Vermeidung von Kontaminationen. Permanente Schulung und Ausbildung ist daher unerlässlich. Regelmässige Dekontamination der Arbeitsplätze und die Verwendung von gestopften Pipettenspitzen sind weitere wichtige Massnahmen.
Eine weitere Massnahme zur Verhinderung von Carry-over Kontamination ist die Verwendung des Nukleotids dUTP anstelle von dTTP zusammen mit dem Enzym Uracil-N-Glykosylase (UNG). Dadurch kann die künstliche, durch PCR amplifizierte DNA nicht wieder amplifiziert werden.
Um Reagenzienkontaminationen zu verhindern, werden -falls möglich- nur DNA-freie Reagenzien und Hilfsmittel eingesetzt. In speziellen Fällen werden Reagenzien mit kurzwelligem UV-Licht behandelt.
















